Gedankenwelt Mama-Gedanken Muttiple Choice

Wochenbettdepression – verraten von den eigenen Gefühlen

Für unser Muttiple Choice-Thema im Februar „Vorstellung vs Realität“ musste ich mich tatsächlich erstmal sammeln und gut überlegen, was ich zu diesem Thema schreiben könnte und auch wollte. Sowohl hier als auch hier habe ich schon von meinen Erfahrungen berichtet, dass die Realität oft anders aussieht, als man es sich gewünscht oder vorgestellt hat. Um ein bestimmtes Thema habe ich bisher jedoch einen großen Bogen gemacht, weil mir einfach die richtigen Worte gefehlt haben um eine so wichtige Thematik anzusprechen:
die Wochenbettdepression.

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Niemand wünscht sich oder kann sich vorstellen, nach der Geburt des eigenen Kindes Gefühle zu erleben, die so gar nicht zu einem so wunderbaren Ereignis und Lebensabschnitt passen wollen.
Ich habe sie erlebt, habe mich vor ihnen gefürchtet und mich schuldig gefühlt, habe mir die Frage gestellt „Warum gerade ich?“ und habe versucht mich den Gefühlen und Gedanken zu stellen.

Doch fangen wir am Anfang an.

Seit knapp 4 Jahren leide ich an einer Angststörung und an Panikattacken, welche teilweise mit einer leichten Depression einhergehen. Obwohl ich schon als Jugendliche den Wunsch spürte, später mehrere Kinder haben zu wollen, war diese Idee seit Beginn der Panikattacken für mich plötzlich gar nicht mehr vorstellbar. Eine psychische Erkrankung und Mutter sein?
Nein, das passte für mich einfach nicht zusammen. Ich konnte mir zu dem Zeitpunkt nicht mal eine Beziehung vorstellen, denn wer würde mich schon haben wollen? Ich steckte gerade mitten in meiner Scheidung und war so verletzt und geschädigt durch massive Vertrauensbrüche, dass ich mich mit einem Leben ohne Partner und Kinder schnell anfreunden konnte. Zumindest schien es so, doch ganz tief in mir drin, war der Wunsch nach einer eigenen Familie natürlich trotzdem noch vorhanden.

Dann lernte ich, wie der Zufall es so wollte, meinen jetzigen Partner kennen – und plötzlich konnte ich mir wieder eine andere Zukunft vorstellen. Eine Zukunft, die zwar mit vielen Hürden verbunden sein würde, doch die wieder mehr in die ursprüngliche Richtung ging.
Geplant haben wir jedoch nichts, dafür habe ich mich viel zu unsicher und ängstlich gefühlt.

Dann kam der Tag, der alles geändert hat: der Tag des positiven Schwangerschaftstests. Während sich mein Freund einfach nur freute überwog bei mir die Angst. Ich brauchte einige Tage um mich mit dem Gedanken, schwanger zu sein, anzufreunden. Schlussendlich war es der erste Ultraschall und dieses winzig kleine, schlagende Herz, in welches ich mich auf Anhieb verliebte, welches mich endlich Freude empfinden ließen. Ich freute mich schwanger zu sein.
Und noch mehr freute ich mich darauf Mutter zu werden.

Immer wieder machten sich jedoch auch Zweifel breit. Zum Glück hatte ich eine Therapeutin an meiner Seite, der ich mich anvertrauen konnte und die Verständnis für meine Zweifel hatte. Irgendwann kamen wir dann auch auf das Thema Wochenbettdepression zu sprechen.
Ich, als Frau mit Vorerkrankungen, hatte ein wesentlich höheres Risiko eine Wochenbettdepression zu entwickeln, als viele andere Frauen. Diesem Risiko war ich mir bewusst. Meine Vorbereitung lag darin, meinen Freund und meine Eltern zu bitten, dass sich mich im Auge behalten würden und auf gewisse Anzeichen achten sollten. Für mich stand fest, dass ich sofort handeln würde, wenn eine Depression auftauchen sollte. Denn das, was die Wochenbettdepression so besonders gefährlich macht ist, dass viele Frauen sich so sehr für ihre Gefühle und Gedanken schämen, dass sie sich keinerlei Hilfe suchen und ganz alleine versuchen damit fertig zu werden.

Wichtig fand ich auch, mir immer wieder bewusst zu machen, dass man für eine (Wochenbett-)Depression nichts kann. Die Wochenbettdepression entsteht durch die hormonellen Veränderungen nach der Geburt, vor allem durch den schnellen Abfall der Hormone Östrogen und Progesteron. Während viele Frauen diesen Abfall der Hormone ein paar Tage nach der Geburt durch den so genannten Baby Blues verspüren, geht die Depression noch einen ganzen Schritt weiter.

Neben den Hormonen gibt es eine ganze Reihe von Risikofaktoren, welche das Risiko, eine Wochenbettdepression zu entwickeln, erhöhen können.
Ein weiterer Risikofaktor im Bereich des Hormonhaushalts sind Schilddrüsenerkrankungen. Auch die Schilddrüsenhormone verändern sich nach der Geburt und können sich negativ auswirken.
Weitere Risikofaktoren können z.B. auch eine traumatische Geburt, familiäre Umstände oder die soziale Situation sein.
Mangelnde Unterstützung durch den Partner und das daraus resultierende Gefühl allein gelassen zu werden kann bei manchen Frauen ein ausreichender Grund für eine Wochenbettdepression sein.
Die Risikofaktoren sind jedoch kein Garant dafür, tatsächlich eine Depression zu entwickeln. Ebenso können Frauen (und sogar Männer), bei denen keine Risikofaktoren vorhanden sind, in eine Depression verfallen.

Auch bei den Risikofaktoren haben wir versucht an Vorkehrungen zu denken. In dem Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, gibt es die Möglichkeit (je nach Verfügbarkeit) ein Familienzimmer zu buchen. Den Partner rund um die Uhr als Unterstützung in der Nähe zu haben, kann eine große Erleichterung für einen Teil der Frauen sein, vor allem wenn sie nach der Geburt selbst nicht so mobil sind. Zudem hat mein Freund in den ersten 2 Monaten nach der Geburt Elternzeit genommen.
Lediglich an meiner Schilddrüsenunterfunktion konnte ich nichts ändern.

Wir waren am Tag der Tage also auf alles vorbereitet – was sollte also schief gehen?

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Ganz ehrlich, ich konnte mir gar nicht vorstellen etwas anderes als Liebe und Glück zu empfinden. Und genauso war es auch. Ich war ab der ersten Sekunde, in der ich Emma gesehen habe, Hals über Kopf verliebt. Die Geburt war zwar unglaublich anstrengend (und im Nachhinein weiß ich, dass der Geburtsstillstand und die darauf notwendige Saugglockengeburt tatsächlich ein Trauma hinterlassen haben) aber all die Anstrengung und die Schmerzen verflogen in dem Moment, in dem ich unsere Tochter zum ersten Mal in den Armen hielt.

Es war mitten in der Nacht, und nachdem wir auf die Station gebracht wurden, wurde mein Freund nach Hause geschickt. Da war ich nun zum ersten Mal alleine mit unserer Tochter, mal abgesehen von der anderen Frau und ihrem Baby, mit denen wir uns das Zimmer teilen mussten. Ich habe Emma einfach nur gehalten, die ganze Nacht durch, gehalten und verliebt angeschaut.

An die nächsten Tage erinnere ich mich mit sehr gemischten Gefühlen.
Und manche Momente würde ich am liebsten komplett vergessen.

Es fing damit an, dass ich am nächsten Morgen, bei meinem ersten Gang zur Toilette seit der Geburt, in Ohnmacht fiel. Während das Erlebnis zwar nicht wirklich schlimm war (obwohl solche Situationen für Menschen mit Panikattacken grausam sind), schossen mir danach die Gedanken wie wild durch den Kopf: „Was wäre passiert, wenn Emma in dem Moment auf meinem Arm gewesen wäre?“ „Hätte ich sie einfach fallen gelassen?“
Die Krankenschwestern sagten mir, dass ich vorerst liegen und aufgepäppelt werden müsse, um nicht erneut in Ohnmacht zu fallen.
Ganz davon abgesehen, dass es mir körperlich nicht gut ging, machte es mich unglaublich traurig, dass ich Emma weder herumtragen noch wickeln konnte. Zu allem Überfluss kam hinzu, dass ich eine Bettpfanne benutzen musste. Und da das ja noch nicht erniedrigend genug ist passierte es, dass die gesamte Familie meiner Zimmernachbarin zu Besuch kam, während ich halbnackt und unter unglaublichen Schmerzen auf dieser Bettpfanne saß. Zum wiederholten Male baten wir um ein Familienzimmer, welches zum Glück auch am Abend endlich verfügbar war. Ich hoffte, dass wir nun endlich ein wenig zur Ruhe kommen könnten, doch dem war leider nicht so.
Während Emma tagsüber auf meinem Arm Schlaf finden konnte, schien sie ab abends nichts beruhigen zu können. Sie schrie stundenlang durch während ich ans Bett gefesselt war und meine Möglichkeiten, sie zu halten, begrenzt waren. Schnell hieß es, dass sie nicht satt werden würde und dass es nötig wäre zuzufüttern. Sie bekam nun nach jedem Stillen eine Flasche, an der sie zwar gut trank, danach aber alles unter panischem Schreien wieder ausspuckte.
Nie zuvor in meinem Leben habe ich mich so hilflos gefühlt.
Meine Sorge, dass sie durch die Flaschennahrung vielleicht die Brust verweigern könnte, versuchte ich zu ignorieren. Ebenso die Gedanken, warum gerade ich es nicht schaffen würde, meine eigene Tochter satt zu bekommen.
Heute wissen wir, dass ich nicht die einzige war, die unter der Geburt gelitten hat. Auch Emma hat mit großer Wahrscheinlichkeit ein Geburtstrauma erlebt und hatte große Anpassungsschwierigkeiten. Einige Wochen nach ihrer Geburt wurde bei ihr zusätzlich das Kiss Syndrom diagnostiziert, welches durch die Saugglocke hervorgerufen wurde, und welches ihr sowohl Einschränkungen in der Körperbewegung als auch Schmerzen verursachte.

Mittlerweile schrie mein Körper förmlich nach Ruhe – und damit meine ich nicht ein ruhiges Baby sondern ein ruhiges Umfeld. Durch die kreisenden Gedanken fand ich einfach keinen Schlaf, weder nachts noch tagsüber. Ich wurde immer kraftloser & ängstlicher und merkte, wie die anfängliche Freude mit und mit verschwand.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich dafür gehasst habe.

Am dritten Tag nach der Geburt ging es mir plötzlich massiv schlechter. Ich hatte durchgehende Kopfschmerzen, klammerte mich vor lauter Übelkeit entweder an die Toilette oder an eine Nierenschale und konnte meine Tränen einfach nicht mehr aufhalten. Ich bekam Medikamente gegen die Übelkeit und wurde zum wiederholten Male an die Infusion angeschlossen. Wenn Besuch da war versuchte ich meine Gefühle und Gedanken zu überspielen. Irgendwann hatte ich jedoch den Punkt erreicht, an dem ich merkte, dass ich Hilfe brauchte. Da ich mir geschworen hatte, so schnell wie möglich zu reagieren, habe ich zum einen meine Therapeutin informiert und zum anderen habe ich einer der Krankenschwestern ausgerichtet, dass ich dringend einen Psychiater sprechen müsse.
Der Psychiater, den ich schon durch meinen Krankenhausaufenthalt während der Schwangerschaft kannte, stellte mir einige Fragen:

Ob ich negative Gefühle meiner Tochter gegenüber verspüren würde?
Ob ich Suizidgedanken hätte?
Ob ich meiner Tochter nahe sein könnte oder ob ich sie lieber weggeben würde?

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Ich konnte all seine Fragen mit einem klaren Nein beantworten. Ich liebte Emma, hatte sie den ganzen Tag über auf dem Arm und konnte mir nichts Schlimmeres vorstellen, als sie wegzugeben. Gemeinsam fanden wir heraus, dass meine Wochenbettdepression (diese Diagnose stellte er mir) anders angesiedelt war als bei vielen anderen Frauen. Bei mir schien sich die Depression vor allem psychosomatisch zu zeigen. Das bedeutet, dass ich körperliche Beschwerden/Erkrankungen hatte, die durch die Depression ausgelöst wurden. Zudem machte ich mir große Vorwürfe, Emma keine gute Mutter sein zu können oder ihr sogar schaden zu können. Ich hatte das Gefühl, dass Emma jemand besseren als mich verdient hatte, eine Mutter, die ihr alles bieten könnte. Eine starke Mutter, die keine eigenen Probleme & Erkrankungen hat.

Noch bevor wir das Krankenhaus verlassen hatten, wurde ich medikamentös eingestellt bzw. wurde die Dosis meines Antidepressivums, welches ich gegen die Schmerzen bedingt durch meine Fibromyalgie und meine Spannungskopfschmerzen in der minimalsten Dosierung auch während der Schwangerschaft nehmen musste, ein wenig erhöht. Darauf habe ich mich nur eingelassen, weil ich bei besagtem Psychiater an einer Studie teilgenommen habe, bei der sowohl mein Blut als auch nach der Geburt meine Muttermilch untersucht wurden und dabei festgestellt wurde, dass sich sowohl im Blut als auch in der Muttermilch nur extrem niedrige Rückstände des Medikamentes (wir reden hier über <0,00…Prozentzahlen) gefunden werden konnten. Ich glaube nicht, dass das Medikament in Bezug auf die Depressionen etwas geändert hat – das kann es in der Dosierung auch gar nicht. Die Dosis weiter erhöhen oder ein neues Medikament nehmen (was mir direkt empfohlen wurde) kam für mich nicht in Frage, da ich dann hätte abstillen müssen. Und da alleine das Abstillen zu Depressionen führen kann, und ich uns nicht die enge Bindung, die ich zwischen Emma und mir beim Stillen verspürt habe, nehmen wollte, stand für mich fest, dass ich alles dafür tun würde, um nicht abstillen zu müssen.

Als wir nach 5 Tagen das Krankenhaus verließen und zu Hause ankamen, hatte ich jegliches Vertrauen in mich als Mutter verloren.

Ich fühlte mich komplett überfordert und hatte das Gefühl, innerlich zu zerreißen. Zu zerreißen von meinen Gedanken und Gefühlen, die mir einerseits mitteilten, dass es besser wäre, wenn sich jemand anderes um Emma kümmern würde und die mir andererseits sagten, dass ich sie, wenn auch unter laufenden Tränen, einfach nur in meinem Arm halten wollte.
Die folgenden Wochen habe ich mich irgendwie von Tag zu Tag geschleppt und war eigentlich ständig den Tränen nahe. Ich hatte mit so starkem Schwindel zu kämpfen, dass ich nur ganz kurze Zeit stehen konnte. Von meiner Hebamme, die auch in dem Krankenhaus arbeitete in dem ich entbunden hatte, hatte ich erfahren, dass ich bei der Geburt extrem viel Blut verloren hätte und meine Eisenwerte gleich null waren. Das war wohl auch der Grund für die Ohnmacht nach der Geburt und die unglaublichen Kopfschmerzen. Auch wenn es mir ein wenig half zu wissen, warum es mir körperlich so schlecht ging, änderte es nichts an meinen Gefühlen. Ich machte mir weiterhin große Vorwürfe, dass ich Emma, wenn überhaupt, nur im Sitzen wickeln konnte. Ich machte mir Vorwürfe, dass wir nur für kurze Spaziergänge oder zum Einkaufen das Haus verließen. Und die größten Vorwürfe machte ich mir, weil ich trotz dieses wunderbaren kleinen Mädchens einfach nicht glücklich war.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich mich in den ersten Wochen oft wie eine Maschine gefühlt habe. Eine Maschine, die immer weiter funktionieren muss und niemals eine Pause machen darf. Und wie eine Maschine hatte ich das Gefühl abzustumpfen und irgendwann einfach gar nichts mehr zu empfinden.
Ich bin von Anfang an sehr offen mit meiner Wochenbettdepression umgegangen. Leider musste ich feststellen, dass nicht alle Verständnis gezeigt haben oder unsere Situation ernst genommen haben. Wie oft habe ich Sätze gehört wie „Ich habe immer nur Freude empfunden nachdem mein Baby geboren war“, „Schau doch einfach auf die positiven Dinge, dann müsste es dir doch direkt besser gehen“ oder „Du bist jetzt Mutter, du hast keine Zeit dafür, dass es dir schlecht geht oder krank zu sein“.
Kein Wunder, dass ich so manchen Besuch einfach nur als Belastung und Störung empfunden habe.

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Mit den Monaten wurde es besser und ich habe das Vertrauen in meine Mutterrolle Stück für Stück wiedergefunden. Endlich konnte ich wieder richtig Freude empfinden.

Das habe ich vor allem Emma zu verdanken, die mir deutlich gezeigt hat (und auch immer noch zeigt), dass sie mich braucht und dass ich ihre engste Bezugsperson bin. Auch an einen Satz meiner Therapeutin werde ich mich wohl immer erinnern könne: „Sie sind Emmas Mutter, und Sie sind genau die Mutter, die Emma braucht“.
Sehr geholfen hat es mir auch, als ich mir endlich erlaubt habe, Zeit für mich in Anspruch zu nehmen. Ich habe mir ganz bewusst Zeit genommen um z.B. Yoga zu machen, ein Buch zu lesen oder zu nähen. Manchmal hat auch einfach ein warmes Bad geholfen um zu neuen Kräften zu kommen.
Ebenso hat es mir geholfen, Kontakt zu anderen Müttern aufzubauen (vor allem über Instagram), die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich. Dieser Austausch hat mir gezeigt, dass ich nicht alleine mit dieser Erkrankung bin, und dass die Wochenbettdepression auch wieder verschwindet.

Von meinen Vorstellungen eines „perfekten“ Familienlebens habe ich mich jedoch verabschieden müssen. Unser Leben ist nicht so, wie ich es mir lange Zeit ausgemalt habe. Es läuft nicht alles glatt, es geht einem nicht immer gut und jeder Mensch macht auch zwischendurch einfach mal Fehler. Und das ist auch gut so. Diese unglaublich schwierige Anfangszeit hat Emma und mich zusammengeschweißt. Und wenn ich sehe, wie Emma mich jeden Tag anlächelt, sich an mich kuschelt und ich die enge Bindung zwischen uns spüre, dann weiß und fühle ich, dass ich eine gute Mutter bin.

Ganz verschwunden ist die Depression noch immer nicht. Ich denke aber, dass das wohl auch einfach mit meinen Vorerkrankungen zusammenhängt, denn von anderen betroffenen Müttern weiß ich, dass es ihnen irgendwann wieder genauso gut ging wie vor der Depression.

Eines kann ich jedoch nicht leugnen: Ich habe große Angst davor, dass ich bei einem weiteren Kind wieder eine Wochenbettdepression entwickeln könnte. Die Vorstellung, diese Zeit noch einmal erleben zu müssen und in diesem Falle sogar mit zwei Kindern…dafür bräuchte ich wohl eine ganze Menge Kraft und Unterstützung.
Und dann stelle ich mir die Frage, ob ich in diesem Fall vielleicht alles anders angehen würde?
Vielleicht wäre es sinnvoll, direkt nach der Geburt nach Hause zu fahren und ganz auf meine Intuition zu hören?
Vielleicht wäre es von Vorteil, für mehr Ruhe zu Sorgen und in der ersten Zeit keinen Besuch zu empfangen, bis wir alle angekommen sind?
Vielleicht gibt es Möglichkeiten, dem schnellen Hormonabfall entgegenzuwirken?

Doch egal, was ich mir vornehme – es komm wahrscheinlich eh ganz anders.
____________________________________________

Dieser Beitrag ist im Rahmen der „Muttiple Choice“-Reihe entstanden.
In den nächsen Tagen könnt ihr auch bei den anderen Mädels lesen, ob sich ihre Vorstellungen und Wünsche auch in der Realität haben umsetzen lassen: Sarah, Julia, Katha, Anja, Lea & Lisa

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11 Comments

  • Reply
    Netzchen
    1. Februar 2016 at 8:36

    wow, also von deiner Ehrlichkeit bin ich gerade geflashed,
    ich selbst hatte zwar keine Wochenbettdepression dafür hab ich noch immer große Probleme mein Kind manchen zu überlassen, selbst ein Spaziergang, was bis jetzt auch noch nicht passiert ist, ist ein großes Problem. Ich möchte mein Kind einfach nicht anderen überlassen.

    Hoffe es geht dir halbwegs gut – toller Beitrag.

    lg netzchen

  • Reply
    Munchkins Happy Place
    1. Februar 2016 at 8:57

    Vielen lieben Dank für deine Worte. Es war auch gar nicht so einfach diesen Beitrag zu schreiben, weil mir erst während des Schreibens bewusst wurde, wie traumatisch ich zum Beispiel die Geburt erlebt habe. Manche Dinge merkt man erst, wenn man sich mit ihnen auseinander setzt.
    Lass dich nicht unter Druck setzen, der richtige Moment wird kommen, um dein Kind auch mal bei anderen zu lassen. Wichtig ist, dass ihr euch beide damit wohlfühlt und du der anderen Person wirklich vertrauen kannst.
    Liebe Grüße

  • Reply
    Hummelchen
    1. Februar 2016 at 9:43

    Wow, so ehrlich und berührend geschrieben.
    Ich hatte zwar keine Wochenbettdepression,aber ich war trotzdem überglücklich schon in der Schwangerschaft bekannt gegeben zu haben,dass wir erst Besuch empfangen,wenn wir dazu bereit sind.das hat vor allem bei den Großeltern für Widerstand gesorgt,aber ich hätte diese Diskussionen nicht mit einem kleinen baby führen können und hätte es dann einfach über mich ergehen lassen.das war für uns der beste Weg!zeit zum ankommen in einer ganz neuen Welt!

  • Reply
    Hummelchen
    1. Februar 2016 at 9:43

    Wow, so ehrlich und berührend geschrieben.
    Ich hatte zwar keine Wochenbettdepression,aber ich war trotzdem überglücklich schon in der Schwangerschaft bekannt gegeben zu haben,dass wir erst Besuch empfangen,wenn wir dazu bereit sind.das hat vor allem bei den Großeltern für Widerstand gesorgt,aber ich hätte diese Diskussionen nicht mit einem kleinen baby führen können und hätte es dann einfach über mich ergehen lassen.das war für uns der beste Weg!zeit zum ankommen in einer ganz neuen Welt!

  • Reply
    melli
    1. Februar 2016 at 9:43

    Ich habe das Gefühl, du schreibst "meine Geschichte".
    Danke! Danke für deine Ehrlichkeit, deine Offenheit! Endlich habe ich mal das Gefühl, dass ich nicht alleine bin. Ich habe lange gebraucht meine Wochenbettdeppression zu akzeptieren, leider akzeptierte mein Umfeld es nicht! Meine Tochter ist jetzt 15 Monate und ich bin immer noch nicht "ganz wieder auf dem Damm". Ich hoffe, es irgendwann wieder zu sein!

  • Reply
    Nätty
    2. Februar 2016 at 0:04

    Das war wirklich sehr bewegend zu lesen. Danke für deinen offenen Bericht. Ich hatte keine Wochenbettdepression, fühlte mich aber auch ohne schon oft überfordert nach der Geburt und war sehr oft mit den Nerven am Ende. Wie schlimm muss das erst sein, wenn man an einer Wochenbettdepression leidet. Habe grad das Bedürfnis dich ganz lieb zu umarmen! Fühl dich gedrückt. Dein Bericht wird sicher vielen Mamis helfen können, die in einer ähnlichen Situation sind. LG, Nätty

  • Reply
    Lara
    2. Februar 2016 at 21:23

    Sehr bewegend das zu lesen und gut, dass du etwas zu diesem wirklich wichtigen Thema geschrieben hast! Es kann nun mal jede treffen und auch, wenn man positiv an die Geburt gehen sollte, ist es gut, zu wissen, dass man nicht alleine ist. 🙂

  • Reply
    Lola
    5. Februar 2017 at 14:30

    Ich fühle da wirklich mit dir, denn auch ich hatte eine Wochenbettdepression, die bei mir leider niemals behandelt wurde. Daraus entwickelten sich dann irgendwann Angstzustände. Mir war damals nicht mal bewusst, dass ich sowas hatte. Klar, mir ging es anders, doch ich dachte, es sei nur eine Phase. Sie verschwanden ja tatsächlich irgendwann, doch dann kam sie mit einem Knall zurück. Schlimmer als zuvor.

    Liebe Grüße
    Lola

  • Reply
    Für mehr Zusammenhalt unter Müttern - Munchkins Happy Place
    10. März 2017 at 12:29

    […] wird, mit ein bisschen mehr Feingefühl und einem offenen Herzen, dann würden Themen wie z.B. Wochenbettdepression viel eher angesprochen werden. Es geht nicht darum, dass wir alle beste Freundinnen werden sollten, […]

  • Reply
    Jana
    21. März 2017 at 14:13

    Vorerkrankung mit Angst- und Panikstörung, gewünschtes Familienzimmer und keins bekommen, hoher Blutverlust, Eisenwert bei quasi 0, Schwindel, Kopfschmerzen, Hilflosigkeit, Stillprobleme, schlaflose Nächte und dann letztlich das Einschleichen der altbekannten Gefühle und dieses Hin- und Hergerissen sein zw.Ich liebe doch meine Tochter und Ich bin so eine unfähige Mutter!.. genau dasselbe habe ich auch durch gemacht! Meine Tochter ist jetzt 15 Monate. Mir geht es wieder super. Ich arbeite auch wieder. Und ich will gerne 3 Kinder.. auch wenn das verrückt ist.. aber ich denke mir: Ich bin jetzt schlauer! Vorallem weiß ich: Ich brauche ganz viel Unterstützung am Anfang.. damit ich mich erholen kann von diesem körperlichen Marathon (Schwangerschaft + Geburt). Das macht mich nicht zu einer schlechten Mutter, sondern ist eigentlich völlig natürlich. Wie sagt dieser Spruch „In Afrika braucht es ein ganzes Dorf um ein Kind groß zu ziehen“- warum tun wir hier so, als müssten wir immer alles alleine schaffen und sofort nach der Geburt parat stehen und den anstrengendsten Job unserers Lebens schaffen..

  • Reply
    (M)Ein Leben als hochsensible Mama - Munchkins Happy Place
    7. Mai 2017 at 22:41

    […] Ich habe euch einen ehrlichen Rückblick in mein erstes Jahr als Mama gegeben, habe euch von meiner Wochenbettdepression erzählt und auch geschildert, wie schnell Emma und ich an unsere Grenzen stoßen. Dass all diese […]

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