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Warum es bei uns keinen Zucker gibt

Dass Zucker ungesund ist, das wissen wir doch eigentlich alle, oder? Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass der Zucker die Eltern in zwei verschiedene Lager spaltet (eigentlich sind es sogar 3 Lager). Es gibt die, die gar kein Problem damit haben, dass ihre Kinder Zucker essen. Dann gibt es die, für die Süßigkeiten in jeglicher Form tabu sind. Und dann gibt es das dritte Lager, zu dem ich auch uns zählen würde: Es gibt Süßigkeiten, aber eben keinen Zucker.

Es gibt mittlerweile einige Studien die darstellen, wie ungesund Zucker tatsächlich ist. Trotz einer sehr starken Zucker-Lobby ist es kein Geheimnis mehr, dass Zucker auf unser Gehirn die gleichen Auswirkungen hat wie z.B. Kokain oder Heroin. In klaren Worten: Zucker wirkt auf unseren Körper wie eine Droge und führt in viele Fällen zu einer Gewöhnung und im späteren Verlauf zu einer Abhängigkeit.
Wie sehr man von Zucker abhängig ist, merkt man meist erst dann, wenn man wirklich mal auf Zucker verzichtet. Und damit meine ich nicht nur den Zucker ansich, sondern jegliche mit Zucker gesüßten Getränke, Süßigkeiten, Backwaren und alle anderen, mit Zucker versetzten Lebensmittel. Und man glaubt gar nicht, in wievielen und welchen Lebensmitteln sich zugesetzter Zucker versteckt.

Ich selber ernähre mich seit knapp 1,5 Jahren komplett zuckerfrei. Die ersten 3 Tage waren tatsächlich nicht ganz einfach, da der Verzicht auf Zucker für den Körper einen richtigen Entzug bedeutet. Doch seit dem 4 Tag, ist es für mich ganz normal geworden. Und ich vermisse nichts.

Doch wie soll man es mit den eigenen Kindern machen?

Ist es sinnvoller, ihnen täglich zuckerhaltige Lebensmittel anzubieten und zu schauen, wie sie reagieren und wie sich ihr Zuckerkonsum über die Jahre entwickelt? Oder macht es Sinn, sie vom Zucker fernzuhalten, damit sie gar nicht erst davon abhängig werden können? Ich finde, es gibt für beide Alternativen jeweils gute Gründe, die dafür, und gute Gründe, die dagegen sprechen.
Viel wichtig, als einfach nur eine solche Entscheidung zu treffen, ist meiner Meinung nach jedoch die Vorbildfunktion von uns, den Eltern. Wie würde sich ein Kind wohl fühlen, wenn es keinerlei Süßigkeiten essen dürfte, während die eigenen Eltern genüßlich in den Kuchen oder die Kekse beißen? Richtig, dieses Kind würde sich ausgeschlossen fühlen, würde diese Situation nicht nachvollziehen können und würde, wenn sich ihm die Gelegenheit bieten sollte, möglicherweise heimlich zu Kuchen und Keksen greifen. Für mich ist es deswegen äußerst wichtig, dass das Kind keine Sonderrolle erhält, die es sich nicht ausgesucht hat.

Wie läuft es bei uns denn nun zuckerfrei so ab?

 Das ist eigentlich gar keine so spannende Angelegenheit. Wir frühstücken, wir essen zu Mittag und wir essen Abendessen – ganz so, wie alle anderen auch. Wenn Emma Lust auf Kekse hat, dann gibt es Kekse, wenn sie ein Stück Kuchen vom Vortag haben möchte, dann gibt`s als Nachmittags-Snack ein Stück Kuchen. Wenn sie Lust auf ein Brot mit Schokocreme hat, dann bekommt sie es. Und wenn sie lieber Lust auf Obst hat, dann gibt es eben Obst.
Der einzige Unterschied ist, dass nichts von all dem Haushaltszucker enthält. Und da ich mich, als werdende Gesundheitsberaterin, auch beruflich mit dem Thema Zucker auseinandersetzen muss, gibt es auch keinen Honig, keinen Kokosblütenzucker, keinen Ahornsirup und vor allem keinen Agavendicksaft.

Aber ohne Zucker ist ein Kuchen ja gar kein Kuchen!

Falls ihr das denken solltet, dann habt ihr noch nie einen richtig tollen, zuckerfreien Kuchen gegessen.
Das tolle an einer zuckerfreien Ernährung ist, dass sich die Geschmacksknospen wieder in ihren ursprünglichen Zustand verwandeln. Der daraus resultierende Effekt ist, dass man die tatsächliche & natürliche Süße von Obst und anderen Lebensmitteln wieder richtig wahrnehmen kann. Man nimmt die Süße ungefähr so wahr, wie Kinder sie wahrnehmen, denn für sie und ihre noch „unbenutzten“ Geschmacksnerven, schmeckt alles wesentlich süßer als für uns Erwachsene.

Und womit wird bei uns gesüßt?

Am liebsten süßen wir mit Obst, z.B. mit Datteln oder Bananen. Mit Datteln kann man unglaublich leckere Dinge fabrizieren: Rohkostpralinen, Kuchen, Torten, Kekse uvm.
Zu manchen Rezepten passen jedoch weder Datteln noch Bananen. In diesem Fall greifen wir zu Reissirup. Das tolle an Reissirup ist, dass er absolut keine (industriell gefertigte) Fructose, nur einen sehr geringen Anteil an Glucose und stattdessen eine Vielzahl an Mineralstoffen enthält. Bei ein paar Gelegenheiten haben wir auch schon Xylit & Erythrit benutzt, wobei ich diese zwei Zuckerersatzstoffe nicht als optimale Lösung für Kinder empfinde.

Und wie läuft es unterwegs ab?

Auch auf Familienfeiern hat Emma bisher keine zuckerhaltigen Speisen gegessen. Wir handhaben es so, dass wir zu jeder Feier selber Kuchen o.ä. mitbringen. Und wir nehmen nicht einfach nur eine Portion für Emma mit, sondern wir bereiten so viel vor, dass alle anderen auch davon essen können. Das ist für mich kein großes Ding, denn ich bringe schon seit vielen Jahren, aufgrund meiner Glutenunverträglichkeit und meiner veganen Ernährung, mein eigenes Essen mit. Emma hat demenstprechend noch nie die Situation erleben müssen, dass sie etwas anderes auf dem Teller liegen hat, als alle anderen um sie herum.
Zudem haben wir ganz offen mit unseren Familien, vor allem unseren Eltern, über das Thema gesprochen. So hat Emma zu Weihnachten z.B. eine Packung zuckerfreie Kekse und ein großes Netz Mandarinen geschenkt bekommen. Über die Mandarinen hat sie sich übrigens mehr gefreut als über die Kekspackung.

Wird Emma nie zuckerhaltige Dinge essen dürfen?

Doch, das wird sie, das können und wollen wir auch gar nicht verhindern. Noch aber kennt sie diesen unglaublich süßen Geschmack von Zucker nicht, und hat dementsprechend auch gar kein Verlangen danach. Warum also sollten wir sie gezielt an Zucker gewöhnen, wenn es wesentlich gesündere Alternativen gibt? Die ersten 2-3 Lebensjahre prägen einen Menschen für sein gesamtes Leben – das gilt auch für den Geschmack. Das, was Kinder in ihrer frühesten Kindheit erleben, wird tief im Unterbewusstsein abgespeichert. Und dort wird auch der Vermerk gemacht, dass richtig süß richtig lecker ist. Daran ist auch erstmal nichts falsch, denn wir alle sind darauf gepoolt, dass uns süße Dinge schmecken. Selbst die Muttermilch hat einen leicht süßlichen Geschmack. Die Betonung liegt hier auf „leicht“. Wie schon erwähnt, schmecken Muttermilch, Obst und ungezuckerte Lebensmittel für Kinder viel süßer als für uns. Wenn sie nun immer wieder zuckerhaltige Speisen bekommen, dann gleichen sich ihre Geschmacksnerven viel schneller den unseren an. Dies kann in manchen Fällen nicht nur dazu führen, dass auch Kinder schon Heißhunger auf Zucker verspüren, sondern auch zu dem Resultat, dass schon kleinen Kindern die natürliche Süße von Obst nicht mehr genügt.
Bei uns zu Hause wird es auch in Zukunft keinen Zucker (oder die oben genannten Alternativen) geben, denn wir brauchen einfach keinen Zucker um uns gesund, ausgewogen und schmackhaft zu ernähren. Der Zeitpunkt wird aber kommen, an dem Emma auch den anderen Kuchen vom Tisch haben möchte oder im Kindergarten den gleichen Nachtisch bekommt, wie alle anderen Kinder. Und diese Erfahrungen soll sie natürlich machen können.

Aber Kinder, die keinen Zucker bekommen haben, werde sich später damit vollstopfen!

Lassen wir uns mal überraschen.
In den verschiedenen Kitas, in denen ich seit meiner Ausbildung zur Erzieherin gearbeitet habe, habe ich schon alles mögliche erlebt:
Kinder, die zu Hause keinen Zucker bekommen haben, und sich im Kindergarten auf den Kuchen gestürzt haben.
Kinder, die jeden Tag Zucker konsumiert haben, und sich im Kindergarten auf den Kuchen gestürzt haben.
Kinder, die jeden Tag Zucker konsumiert haben, und denen der Kuchen im Kindergarten nicht geschmeckt hat.
Und auch Kinder, die zu Hause keinen Zucker bekommen haben, und die den Kuchen im Kindergarten nicht essen wollten, weil er ihnen zu süß war.
Jedes Kind ist einzigartig und wir wissen nicht, was in der Zukunft passieren wird – das weiß einfach niemand. Wär ja auch ganz schön langweilig, wenn die Zukunft uns nicht mehr überraschen könnte.

So sehe ich es:

Ganz egal, für welchen Weg man sich entscheidet, sollte man hinter seinen Entscheidungen stehen können, sich der jeweiligen (möglichen) Schwierigkeiten bewusst sein und darauf eingestellt sein, dass alles vorstellungsgemäß abläuft oder aber auch komplett das Gegenteil passiert.

______

Wenn ihr gerne mehr zu dem Thema „Zucker“ erfahren möchtet, dann habe ich hier ein paar passende Artikel für euch:
Zucker und seine Alternativen – was ist wirklich gesünder?
7 Tipps für den Start in ein zuckerfreies Leben
Wieviel Zucker braucht der Körper wirklich?

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9 Comments

  • Reply
    Lynn
    26. Januar 2017 at 15:07

    Wann gibt es im Kindergarten Kuchen? An Geburtstagen? Bei unserem Kindergarten soll nichts Süßes in die Brotdose und am Geburtstag gibt es Rohkostplatte oder das Kind richtet Frühstück für alle aus. Da darf auch Marmelade und Schokocreme mitgebracht werden. Allerdings darf jeder nur ein Schoko-Brot essen.
    Finde die Regelung gut.

    • Ann-Kathrin
      Reply
      Ann-Kathrin
      27. Januar 2017 at 22:31

      Bisher hat es in jedem Kindergarten, in dem ich gearbeitet habe, immer wieder Kuchen uä gegeben. Sei es Geburtstagsfeiern, Ostern, Nikolaus, Weihnachten,… Es ist eher selten, dass im Kindergarten wirklich nie Kuchen angeboten wird. Als Einschränkung kene ich es oftmals nur so, dass die Eltern beim Backen auf Nüsse verzichten sollen wegen möglichen Allergien.

  • Reply
    Lara
    28. Januar 2017 at 9:46

    Wichtiges Thema und ja, jede Familie muss ihren eigene Weg gehen und finden. Ich finde es aber besonders gut und wichtig, dass bei kompletem Zuckerverzicht die Regeln für alle gelten. Eltern sind nun mal ein Vorbild und man kann ja nichts von seinem Kind verlangen, was man selber nicht einhält. Deshalb gibt es bei uns auch Zucker, aber wir sehen schon zu es nicht zu übertreiben.
    Ich selber bin als Kleinkind zuckerfrei aufgewachsen und denke es hat mir in dem Sinne geholfen, dass ich immer noch Süßigkeiten als etwas besonderes ansehe. 🙂 Natürlich esse ich sie, aber ich kaufe mir nicht mal zwischendurch eine Tafel Schokolade auf die Hand… (Nur in ganz seltenen verzweifelten Momenten.)

    Ich habe vor Jahren auch einige Monate zuckerfrei gelebt und kann den Entzug bestätigen, doch dann fehlte mir nichts mehr. Aus Faulheit bin ich dann wieder umgestiegen. 🙁

    • Ann-Kathrin
      Reply
      Ann-Kathrin
      28. Januar 2017 at 12:54

      Ja, seinen Kindern etwas zu verbieten, und es dann (am besten auch noch vor ihrer Nase) selber zu machen, finde ich schrecklich. Ich habe aber tatsächlich schon von einigen Familien gehört, dass sie es so handhaben.
      Was du da angesprochen hast, finde ich sehr wichtig. Für viele sind Schokolade und Co. mittlerweile zum ganz alltäglichen „Nahrungsmittel“ geworden. In der Kita hatte ich Eltern, die sich darüber aufgeregt haben, dass wir ihnen gesagt haben, dass ein Schokoriegel kein vernünftiges Frühstück ist (das ist tatsächlich mehrmals passiert, bevor wir es angesprochen haben).
      Ich finde die Entwicklungs schade, dass gesunde Lebensmittel scheinbar immer teurer werden, wogegen man Süßigkeiten schon für ein paar Cent bekommt. Meiner Meinung nach sollte es genau anders sein. Aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema 🙂

  • Reply
    Sara
    28. Januar 2017 at 10:35

    Danke für diesen Artikel. Reis ist ja ein sehr belastetes Lebensmittel (Arsen, Cadmium… ). Wir ernähren uns ausschliesslich Bio, aber auch der Bio-Reis soll ja nicht ganz frei davon sein. Weisst du wie es beim Reissirup aussieht? Ist mir deswegen schon mal nicht so sympathisch. Schade. Danke und lieber Gruss

    • Ann-Kathrin
      Reply
      Ann-Kathrin
      28. Januar 2017 at 13:07

      Ja, das stimmt, davon hört man in den Medien immer wieder. Heutzutage sind leider sehr viele Lebensmittel, die ansich gesund sind, belastet oder verschmutzt. Da ist es gar nicht so einfach sich zu entscheiden, was man essen oder eben nicht essen möchte. Bei Reis achten wir selber auch darauf eher zum Bio-Reis zu greife, und so auch beim Reissirup. Ich habe gehört, dass Reissirup, aufgrund des belasteten Reis, sehr streng kontrolliert wird, um erhöhte Arsenwerte ausschließen zu können. Ich selber würde trotzdem nicht täglich zum Reissirup greifen. Zuckerersatzprodukte sollten meiner Meinung nach kein Freifahrtsschein sein, um tagtäglich Süßigkeiten essen zu können. Eine Alternative könnte ansonsten vielleicht noch Lucuma-Pulver sein.

  • Reply
    10 gesunde Naschereien für Kinder (und ihre Eltern) - Munchkins Happy Place
    28. Januar 2017 at 13:15

    […] ein paar Tagen habe ich euch erzählt, warum es bei uns keinen Zucker gibt und wie wir es handhaben, damit Emma (und auch wir) trotzdem Kuchen, Eis und andere Leckereien […]

  • Reply
    Sandra Klimm
    28. Januar 2017 at 14:07

    Diesen Artikel unterschreibe ich 1 zu 1. Du wirst Gesundsheitsberaterin? Das ist ja auch noch so mein Traum. Derzeit ist es leider aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich. Ich habe „von Haus aus“ einen Herzfehler und der Generation „Kind von Fix-Tüten“ und leider vielen Medikamenten für mein Herz hat mein Darm gelitten. In Folge davon (und leider auch erblich bedingt da Vater mit MS gehabt) wird jetzt auch noch dem dringenden Verdacht einer Autoimmunkrankheit nachgegangen. Das ist der Grund weswegen ich mir eine “ offizielle Ausbildung“ derzeit nicht zutrauen (zumuten) kann. Aber ich bilde mich wann immer ich es kann weiter. Ich würde mich freuen, wenn du mich einmal kontaktierst und mir mehr von dir erzählst (gerade zum Thema Gesundheitsberaterin) . Lieben Gruß, Sandra

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    Petra
    31. Januar 2017 at 10:45

    Ein spannendes Thema. Ich finde auch, dass man aufpassen muss, dass „Zucker“ nicht zur Normalität wird. Und dass die Kinder lernen sollen, dass Süßes etwas Besonderes ist. Aber ich denke auch, dass wir als Eltern aufpassen müssen, dass wir den Kindern nicht unsere Ernährungs-Hypes aufdrücken. Damit meine ich: Indem wir alles, wirklich alles hinterfragen, was mit Essen zu tun hat (ist das jetzt auch wirklich Bio, ist zu viel Zucker drin, ich esse nix Tierisches mehr etc.), transportieren wir irgendwann, vielleicht auch unbewusst, eine Verklemmtheit. Von der ich sicher bin, dass die Kinder sie spüren. Ich versuche, das einfach locker anzugehen. Ich check nicht jedes Nahrungsmittel, wie viel von was auch immer da drin ist. Nichtsdestotrotz achte ich auf eine ausgewogene Ernährung für uns alle. Limo gibt es bei uns auch keine. Und Obst und Gemüse mehrmals am Tag. Trotzdem bin ich gegen diesen Zeigefinger, der immer mal wieder mitschwingt. Und wenn nix mehr hilft, denke ich an früher und daran, dass wir zu ganz normalen (und normalgewichtigen) Menschen wurden. Mit Caprisonne und Bumbum Eis 😉 Liebe Grüße, Petra

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