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Vom Grenzen setzen und an die eigenen Grenzen stoßen

Vom Grenzen setzen und an die eigenen Grenzen stoßen
 
Achtung, Achtung, eine Durchsage: „Der kleine Schub und seine Geschwister, die Zähne und die Phase, müssten bitte umgehend aus dem Babyparadies abgeholt werden.“ 
 
Ach ja, wenn das doch nur so einfach wäre. Ist es aber leider nicht.
 
Unsere kleine Madame gehört momentan mal wieder der Sorte Terrorzwerg an. Sie ist zwar ein äußert niedlicher Terrorzwerg, doch das macht es noch lange nicht einfacher für alle Beteiligten.
Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich doch glatt behaupten, dass sie mitten in der Pubertät oder Trotzphase steckt. Das würde zumindest die täglichen Trotz- und Wutanfälle erklären, während denen sie alles mit voller Kraft auf den Boden schmeißt, wild mit den Armen wedelt und in einer ordentlichen Lautstärke schreit. Manchmal muss ich dabei tatsächlich meinen Kopf abwenden um verstohlen Lachen zu können – Emma sieht dabei nämlich meist zum Knuddeln aus. 
 
Für die Wutanfälle haben sich 2 Auslöser raus kristallisiert: Entweder möchte Emma etwas tun, zu dem sie aber noch nicht in der Lage ist und stößt somit also an ihre Grenzen. Oder sie hat dieses unglaublich gemeine Wort „Nein“ zu hören bekommen, bekommt also eine Grenze gesetzt, und findet das alles andere als witzig.
 

Emma ist, wie wohl die meisten Kinder in ihrem Alter, eine kleine Entdeckerin. 

Hier wird alles entdeckt: das Wohnzimmer mit all den netten Dingen, die man aus den Regalen ziehen kann oder an denen man sich hochziehen kann. Mamis Gesicht, in dem sich zwei Augen und eine Nase befinden, die man, und auch das ist ein Grund für einen Wutanfall, leider nicht rausziehen kann (aber dafür gibt es ja einen Mund, in den man seine Finger stecken kann). Fensterscheiben, die sich kalt anfühlen und Heizungen, die sich warm anfühlen. Oder auch Katzen, die sich irgendwann wehren, wenn man ihnen mal wieder Haare ausreißt. Man entdeckt aber auch, dass es ganz schön schmerzhaft ist, wenn man sich auf seine eigenen Finger beißt, und es auch nicht besser wird, wenn man dann nochmal drauf beißt. Oder man stellt mit großem Bedauern fest, dass man etwas nicht erreichen kann, auch wenn man sich auf die Zehenspitzen stellt.
 
Ich finde diese Phase des Entdeckens eine unglaublich wichtige Zeit in der kindlichen Entwicklung und möchte Emma dabei nicht im Weg stehen. Doch es gibt auch Situationen, in denen wir um ein „Nein“ nicht umher kommen. Zum Beispiel wenn sie so überschwänglich ist, dass sie uns oder die Katzen vor lauter Aufregung haut. Oder wenn sie kurz davor ist, sich etwas in den Mund zu stecken, was dort auf keinen Fall hingehört. Und ist das Wort erst einmal ausgesprochen, dann geht es hier richtig rund. Da stampft die kleine Madame auch schon Mal mit dem Fuß auf den Boden oder schaut uns ganz „böse“ an. 
Mir ist es wichtig, dass wir in solchen Momenten konsequent bleiben, natürlich auf eine altersgemäße Art und Weise, denn mit ihren fast 10 Monaten ist Emma einfach noch nicht in der Lage alles zu verstehen. Noch viel wichtiger ist mir jedoch, dass ich bei ihr bin, Emma sich mit ihren starken Gefühlen nicht alleingelassen fühlt und das wir im Anschluss erst einmal ausgiebig kuscheln.
 
 
Tagsüber bekommen wir die momentane Phase soweit ganz gut in den Griff. 
Viel schwieriger gestaltet sich jedoch das Einschlafen.
 
Nachdem wir in den letzten Monaten einen gut funktionierenden Rhythmus für uns gefunden haben und das Einschlafen schrittweise vom Arm, über das Beistellbett bis hin zum Einschlafen im eigenen Gitterbett steigern konnten, sind wir nun gefühlte 10 Schritte zurückgegangen. 
Von heute auf Morgen funktionierte unsere Routine und unsere Herangehensweise nicht mehr. Während es in den letzten Wochen, vor allem beim Mittags- und Nachmittagsschläfchen, oft nur wenige Minuten dauerte, bis Emma zur Ruhe gekommen und eingeschlafen ist, so haben wir die letzten Abende jeweils 2 Stunden damit verbracht, Emma beim Einschlafen zu begleiten.
 
Anfangs ist es ja noch ganz witzig Emma dabei zuzuhören, wie sie die komischsten Geräusche von sich gibt und immer wieder schelmisch kichert. Wenn es dann aber 1,5 Stunden später ist, Emma in dieser Zeit 2x eingeschlafen ist und beide Male nach nur 3-4 Minuten voller Elan wieder wach geworden ist, das Bett gerne mal mit einem Trampolin verwechselte und das schelmische Kichern immer wieder in lautes Schreien umschlägt, dann kippt so langsam aber sicher meine Stimmung und ich gerate an meine Grenzen. 
 
Jetzt denkt sich der ein oder andere vielleicht, warum ich denn schon in solchen Situationen an meine Grenzen stoße. Es gibt doch wesentlich schlimmeres als ein Baby, dass 2 Stunden braucht um in den Schlaf zu finden. Doch genau da liegt der Knackpunkt. Ich habe mich in den letzten Tagen oft in unsere schwierige Anfangszeit zurückversetzt gefühlt. In die Zeit, in der Emma viele Stunden am Tag geschrien hat, in der ich mich unglaublich hilflos gefühlt habe und mich für eine schlechte Mutter gehalten habe weil ich zwischendurch genauso viel geweint habe wie unsere Tochter. Wir haben diese Zeit zum Glück hinter uns gelassen. Doch in solchen Momenten, in denen einfach nichts zu klappen scheint, fühlt es sich an, als wäre ich wieder mittendrin.
 
Und so, wie Emma verzweifelt und wütend wird, wenn sie an ihre Grenzen stößt, so bin auch ich verzweifelt und wütend. Verzweifelt, weil ich nicht weiß, ob ich auf mein Herz oder auf meinen Kopf hören soll, die mir dummerweise immer entgegengesetzte Signale geben. Mein Herz gibt mir ganz deutlich das Signal, dass ich Emma jegliche Nähe und Zuwendung geben sollte, die sie braucht, auch wenn das bedeutet, dass sie wieder wie früher auf meinem Arm einschläft, nachdem ich 1 Stunde mit ihr durchs Schlafzimmer getigert bin.
 Doch dann wird mein Kopf laut und weist mich darauf hin, dass ich sowieso schon am ganzen Körper Verspannungen und Schmerzen habe und mir die körperliche Kraft fehlt, Emma wieder mehrmals täglich auf dem Arm einschlafen zu lassen. 
Verzweifelt bin ich aber auch, weil ich, wie früher, das Gefühl habe, dass nichts von dem was ich versuche, tatsächlich auch wirkt.
Wütend bin ich über die Situation und darüber, dass ich sie nicht besser oder mit mehr Gelassenheit gehandelt bekomme. 
Und dann werde ich wütend darüber, dass ich wütend bin.
 
Etwas Positives habe ich aus unserer Anfangszeit jedoch mitnehmen können: 
Es gibt immer einen Weg und gemeinsam schaffen wir alles.
 Daran versuche ich festzuhalten, egal ob es gerade Emma ist, die an ihre Grenzen stößt, oder ob ich es bin. Wir kommen immer einen Schritt weiter und irgendwie schafft man es doch alles.
 
 
Und falls ihr euch fragt, auf wen ich denn in den letzten Tagen gehört habe, auf meinen Kopf oder auf mein Herz, dann kann ich euch nur sagen, dass ich die beiden ausgetrickst habe. Emma ist die letzten Abende nicht auf meinem Arm eingeschlafen, aber auch nicht in ihrem Bett.Wir haben es uns ganz eng aneinander gekuschelt im großen Bett gemütlich gemacht. Und da es an den meisten Abenden ja mittlerweile eh schon 22:00 Uhr war, sind wir einfach gemeinsam eingeschlafen.

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1 Comment

  • Reply
    Meï-liy
    10. Februar 2017 at 8:25

    Danke für diese Wörter, ich hatte noch nie den Parallel zwischen meiner (Hoch)Senibilität und mein Mutter-Sein gemacht…

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