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Jesper Juul – Liebende bleiben {Rezension}

Vor 2 Wochen ist das neuste Buch von Jesper Juul auf den Markt gekommen. „Liebende bleiben – Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken“ heißt es und es beschäftigt sich grob gesagt mit dem Thema, wieviel Einfluss die Beziehung der Eltern auf das Familienleben und die Kinder hat.

Mit der Geburt eines Babys kann sich das Leben von heute auf morgen komplett verändern. Plötzlich steht nicht mehr die Partnerschaft im Vordergrund, sondern das gemeinsame Familienleben. Eltern versuchen sich in ihrer neuen Rolle zurechtzufinden, konzentrieren sich ganz auf die Erfüllung der Bedürfnisse des neuen Familienmitglieds und meistern nebenher noch all die Dinge, die der Alltag für sie bereithält. Für Romantik und Zweisamkeit fehlt in dieser neuen, aufregenden Zeit oftmals der Platz. Manchmal passiert es, dass sich ein Elternteil ausgeschlossen fühlt. Oder ein Elternteil fühlt sich vom anderen alleingelassen. Oder es passiert, dass sich die beiden Personen, die früher mal ein tolles Team waren, sich als Eltern auseinanderleben.
In vielen anderen Familien passiert nichts von alledem. Die Eltern fühlen sich gleichberechtigt und mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen, die Partnerschaft funktioniert auch mit Familienzuwachs und auch für Zeit zu zweit ist genügend Raum vorhanden.

In „Liebende bleiben“ von Jesper Juul, einem der bekanntesten europäischen Familientherapeuten und Gründer des Elternberatungsprojekt FamilyLab, geht es um die erstgenannten Familien bzw. Eltern – die, bei denen halt nicht alles rund läuft und kleinere oder auch größere Probleme ihren Schatten aus das Familienleben werfen.

Das Buch gliedert sich in 4 große Themenbereiche: „Beziehungsglück ist Familienglück“, „Gemeinsam an Schwierigkeiten wachsen“, „Zwischen uns passt kein Blatt – die intuitive Verbindung und was sie mit der Partnerschaft macht“ und „Wann ist eine Trennung der bessere Weg“. Angegangen werden diese vier Themen mithilfe von 7 Aufzeichnungen von Gesprächen, die Jesper Juul mit Familien, die sich ratsuchend an ihn gewandt haben, geführt hat.

Die Herangehensweise an die Themen gefällt mir persönlich sehr gut. Die Interviews geben einen guten Einblick in die Problematiken der einzelnen Familien und werden sinnvoll durch die Ratschläge und Ideen von Herr Juul ergänzt. Das Buch liest sich dadurch recht locker und man bekommt das Gefühl, nah am Geschehen zu sein.

Sehr angesprochen hat mich das dritte Kapitel zum Thema „intuitive Verbindung“. Neben einem thematisch passenden Interview wird die intuitive Verbindung auf knapp 50 Seiten besprochen. Mich haben diese 50 Seiten sehr gefesselt, da ich zum ersten Mal von dieser speziellen Verbindung zwischen einem Kind und einem Elternteil gelesen habe, und unsere Tochter und mich an vielen Stellen wiedererkennen konnte.

Auch zwei weitere Themen, die ich sehr wichtig finde,werden in dem Buch angesprochen:
Jeder ist für seine Erwartungen selbst verwantwortlich. Wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden, dann ist dies nicht die Schuld der anderen.
Und jeder ist auch für sein eigenes Glück verantwortlich. Wenn man unzufrieden mit seinem Leben ist, dann muss man selber etwas ändern und kann diese Aufgabe nicht an andere delegieren.

Auch wenn ich das Buch im Großen und Ganzen als gelungen und hilfreich bezeichnen würde, ist mir negativ aufgefallen, dass die Mütter (in den Interviews), nach meinem Empfinden, durchweg schlecht wegkommen. Möglicherweise empfinde ich dies nur so, weil ich selber Mutter bin, und mich in manchen Punkten auch selber wiedergefunden habe, trotzdem habe ich es an manchen Stellen im Buch als störend empfunden.

Das Buch hat auf jeden Fall eine Menge Denkanstöße auf Lager, sowohl für Eltern, in deren Beziehung es Probleme gibt, Eltern, die gerade mitten in der Trennung oder Scheidung stecken als auch für Eltern, die das Gefühl haben, dass ihre Kinder auf Unstimmigkeiten innerhalb der Familie reagieren.

Nicht erwarten solltet ihr, dass ihr in dem Buch Tipps bekommt, wie die Beziehung zu eurem Partner wieder romantischer werden kann. Hier ist der Titel des Buches vielleicht ein wenig irreführend. Die Familie steht auch in diesem Buch im Vordergrund, doch es wird deutlich gemacht, dass das Klima innerhalb der Familie und auch das Verhalten der Kinder abhängig davon sein kann, wie harmonisch (oder eben nicht) die Beziehung zwischen den Eltern ist.

Das Rezensionsexemplar wurde mir kostenlos vom Beltz Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung und diesen Artikel jedoch in keiner Weise beeinflusst.

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1 Comment

  • Reply
    Autonome Kinder und intuitive Verbindungen - im Gespräch mit Jesper Juul - Munchkins Happy Place
    24. März 2017 at 7:02

    […] Buch „Liebende bleiben“, welches ich euch bereits letzten Monat vorgestellt habe. (Hier findet ihr den Artikel) Ich wahr ehrlich gesagt ein bisschen aufgeregt (wann hat man schonmal die Möglichkeit, einem der […]

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