Gedankenwelt

Für mehr Zusammenhalt unter Müttern

Vor zwei Tagen war Weltfrauentag, und dieser hat mich ganz schön nachdenklich gestimmt und hat in mir einige Wünsche ausgelöst. Auf meinem Green Lifestyle-Blog „Einfach grünlich“ habe ich meinen Gedanken vorgestern freien Lauf gelassen und habe diese Wünsche, die nicht nur auf mich bezogen sind, sondern alle Frauen einschließen, in Worte gefasst.
Heute möchte ich noch ein bisschen genauer auf die Gedanken eingehen, die mir durch den Kopf schwirren, seit ich Mutter bin (eigentlich sogar seit ich schwanger war).
Es gibt nämlich etwas, dass ich unter all den Müttern vermisse – den Zusammenhalt.

Wann sind wir eigentlich zu Konkurrentinnen geworden?

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann mir der Gedanke zum ersten Mal kam, doch ab einem gewissen Zeitpunkt wurde ich das Gefühl nicht mehr los, dass unter vielen Müttern ein wahrer Konkurrenzkampf besteht. Konkurriert wird dabei scheinbar auf allen Ebenen:
Wer hat am schnellsten die Schwangerschafts-Kilos verloren?
Wer sieht auch mit Neugeborenem gestylt aus?
Welches Kind schläft nachts am frühesten durch?
Welches Kind kann als erstes sitzen, aufs Töpfchen gehen und bis 3 zählen?
Wer findet neben der Familie noch Zeit für ein interessantes Hobby? Oder für Sport?

Ich bin ehrlich, auch mich haben so manche Aussagen von anderen Müttern oder Bilder auf Instagram unter Druck gesetzt. Gestylt bin ich nur, wenn auch Jogginghose und Augenringe dazuzählen. Hobbys hatte ich erstmal gar keine mehr und mit Sport (im Wohnzimmer) habe ich auch erst nach 1,5 Jahren wieder angefangen.

Was bringt uns dieses Schubladen-Denken?

Und dann gibt es da, neben all den Konkurrenzgedanken, noch die Schubladen – sehr viele Schubladen.
Und wenn man da einmal drin steckt, dann ist es gar nicht so einfach auch wieder einen Weg nach draußen zu finden. In der Mütter-Welt gibt es ganz spezifische Schubladen: die Still-Schublade, die Fläschen-Schublade, die Familienbett-Schublade, die Gitterbett-Schublade, die Gläschen-Schublade, die Selbstgekocht-Schublade, die Kinderwagen-Schublade, die Trage-Schublade, die Öko-Schublade, die Unerzogen-Schublade, die Vegane-Schublade, die U3-Schublade, die Ü3-Schublade und noch viele, viele mehr.
Manchmal ist es in diesen Schubladen ganz nett. Man trifft dort auf Gleichgesinnte, kann sich austauschen und fühlt sich wohl. Manche Schubladen passen ganz gut zusammen und man trifft sie oft gemeinsam an. Zwischen anderen Schubladen scheinen dagegen Welten zu liegen. Doch was alle Schubladen gemeinsam haben, das sind die dazugehörigen Vorurteile.
Die Familienbett-Schublade, die nicht loslassen kann und keinen Sex mehr hat. Die Fläschen-Schublade, die mehr an sich denkt als an das Kind. Die U3-Schublade, deren Kinder später Verlustängste haben werden. Und die Ü3-Schublade, die die Kinder viel zu sehr an sich bindet.
Dass diese Vorurteile meistens schlichtweg nicht der Wahrheit entsprechen und wehtun können, das merkt man oftmals erst dann, wenn man mit den Vorurteilen der Schublade konfrontiert wird, in der man selber steckt.

Viel zu oft vergessen wir, dass jeder Mensch und jede Familie einzigartig ist. Wir vergessen, dass das Leben nicht schwarz-weiß ist und viel mehr zu bieten hat, als einen Schrank mit Schubladen.
Mir gefällt ja die Vorstellung, dass dieser Schrank ins Wanken kommt, alle Schubladen auf den Boden fallen und sich der gesamte Inhalt kunterbunt durcheinander mischt. Ich mag es ja gerne ordentlich (Achtung, ordentliche Über-Mutti-Schublade auf, Ann-Kathrin rein, Schublade zu), aber das Chaos stelle ich mir einfach fantastisch vor. Da würde man plötzlich mit Menschen zusammenfinden, die man von seiner Schublade aus gar nicht sehen konnte.

Lasst uns mal über den Tellerrand schauen.

Wenn wir diese ganzen Schubladen und Konkurrenzgedanken mal beiseite schieben, so sind wir doch alle eines: wir sind Mütter. Wir alle lieben unsere Kinder und wollen nur das Beste für sie. Wir alle tun, was wir für richtig halten, denn genau das gibt uns Vertrauen und Halt. Wir alle legen eine unglaubliche Kraft an den Tag, behalten den Überblick, jonglieren Familienleben und den Alltag, bemühen uns, verzweifeln zwischendurch, lachen und weinen, geben unser Bestes und haben alle ein wohlwollendes Klopfen auf die Schulter verdient.

Vielleicht wäre es mit dem Zusammenhalt einfacher, wenn wir mal genauer hinschauen. Vielleicht können wir dann Dinge entdecken, die wir vor lauter Wettkampfgedanken und Vorurteilen nicht gesehen haben.

Vielleicht entdecken wir eine Mutter, die ihr Baby so gerne gestillt hätte, es aber einfach nicht geklappt hat. Vielleicht muss diese Mutter Medikamente nehmen und kann aus diesem Grund nicht stillen. Vielleicht ist die Mutter, die ihrem Baby die Flasche gibt, auch die Mutter, die ihr Kind jahrelang liebevoll in den Schlaf begleitet und selbst in stressigen Momenten ganz ruhig bleiben kann.
Vielleicht ist die Mutter, deren Kind nach ein paar Wochen im eigenen Zimmer schläft, gar nicht egoistisch. Vielleicht hat sie einfach gemerkt, dass ihr Baby viel besser schlafen kann, wenn es kein gelegentliches Schnarchen oder Herumwälzen hört.
Die Mutter, die ihrem Kind Gläschen gibt, schafft es vielleicht einfach nicht täglich zu kochen. Vielleicht musste sie schon nach kurzer Zeit wieder arbeiten um die Familie abzusichern. Oder sie kocht einfach nicht gerne und verbringt die so gewonnene Zeit lieber spielend mit ihren Kindern.
Vielleicht fühlt sich die Mutter, deren Kind nicht in einem Reboarder sitzt, hin und her gerissen zwischen Sicherheit, dem Schreien ihres Kindes und den Dingen, die sie erledigen muss.
Vielleicht hat sich die Mutter, deren Kind vegan isst, jahrelang mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt und hat vielleicht sogar mehr Ahnung davon als der Kinderarzt.
Vielleicht hat die Mutter, die ihr Kind nicht impfen lässt, in der Vergangenheit eine schreckliche Erfahrung durchlebt. Oder vielleicht ist es auch die Mutter, die Impfungen sehr wichtig findet, die in der Vergangenheit etwas Schreckliches erlebt hat.

Vielleicht würde unser Bild der Mütter, die uns egal auf welchem Weg begegnen, ganz anders sein, wenn wir akzeptieren, dass es nicht diesen einen richtigen Weg gibt, sondern tausende von richtigen Wegen.

 Für mehr Zusammenhalt, Verständnis und Mitgefühl

 Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Zusammenhalt uns Mütter stärken würde. Dass Verständnis dazu führen würde, dass wir seltener in Konflikte mit anderen und mit uns selbst geraten würden. Dass Mitgefühl es uns leichter machen würde, anstrengende oder schwierige Situationen zu meistern und offen über diese zu sprechen.
Keine Frau sollte Angst davor haben, über ihr Leben als Mutter zu sprechen. Und zwar mit allen Einzelheiten. Neben all den schönen Momenten sollte sie erzählen dürfen, dass sie an ihre Grenzen kommt. Sie sollte ganz offen dazu stehen dürfen, dass sie sich manchmal für ein paar Minuten im Bad einschließt, um einfach mal Ruhe zu haben. Sie sollte sagen dürfen, dass sie auch mal genervt ist von ihren Kindern oder gerne mal wieder einen ganz Tag alleine mit dem Partner verbringen möchte.

Wenn wir wüssten, dass unser Gegenüber wohlwollend reagieren wird, mit ein bisschen mehr Feingefühl und einem offenen Herzen, dann würden Themen wie z.B. Wochenbettdepression viel eher angesprochen werden.
Es geht nicht darum, dass wir alle beste Freundinnen werden sollten, sondern vielmehr darum, dass wir uns unserer Gemeinsamkeiten bewusster werden, die Unterschiede respektieren und uns gegenseitig stärken anstatt uns runterzumachen.

Wenn eine Mutter so mutig ist, und über ihre Wochenbettdepression spricht, dann reagiert lieber mit einem „Auch wenn ich es selber nicht so empfunden habe, kann ich mir gut vorstellen, wie traurig dich deine Gefühle und Gedanken machen“ als mit einem „Du hast doch jetzt ein Kind, du solltest glücklich sein“ oder auch „Also ich habe sowas nie empfunden, ich war einfach glücklich“.

Wenn ihr eine Mutter mit einem weinenden Baby seht, die gerade versucht, die Milch in der Flasche zu wärmen, dann bietet eure Hilfe an, anstatt zu murmeln „Wenn sie stillen würde, dann hätte sie das Problem nicht“.

Wenn ihr eine Mutter kennt, die offensichtlich mehr als erschöpft ist, dann wartet nicht darauf, ob sie euch um Hilfe fragen wird, sondern fragt sie, ob sie Unterstützung braucht.

Ein bisschen mehr Zusammenhalt, Verständnis und Mitgefühl würden uns alle näher zusammenrücken lassen und uns stärken.
Daran glaube ich ganz fest.

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