Gedankenwelt

#bloggerfuerfluechtlinge

Ich bin im Dreiländereck (Deutschland, Belgien, Niederlande) aufgewachsen. 
Geboren bin ich in Deutschland, die ersten 19 Jahre habe ich in Belgien gelebt und wohne auch momentan wieder dort, und nach Holland ging es zum Einkaufen und in den Urlaub.
 Ich fand es als Kind immer wahnsinnig spannend, dass ich innerhalb von 30 Minuten in 3 Ländern sein konnte. Vor dem Einzug des Euros waren die Grenzen zwischen den Ländern ein wenig deutlicher: ich hatte 3 Portemonnaies mit  unterschiedlichen Währungen, und nahm immer das passende Geld für das passende Land mit. Für mich haben die unterschiedlichen Nationalitäten nie eine Rolle gespielt. Deswegen konnte ich es auch überhaupt nicht nachvollziehen, warum ich in der weiterführenden Schule in Belgien als „Ausländer“ und „Preuße“ beschimpft wurde, und man mir sagte, ich solle doch wieder in „mein Land“ gehen.
 
Was ist denn mein Land? 
Das Land, in dem ich geboren bin? 
Das Land, in dem ich aufgewachsen bin? 
Das Land, in dem ich mich am meiste aufhalte? 
Oder das Land in dem ich mich am wohlsten und sichersten fühle?

 

Und was passiert, wenn in meinem Land Krieg ausbricht, Gewalt an der Tagesordnung steht, Familie und Freunde in Angst und Armut leben? Darf ich dann darauf hoffen, dass ich in einem anderen Land aufgenommen werde und mir dort Sicherheit geboten wird? Dass man mich dort unterstützt Fuß zu fassen und die schrecklichen Situationen, die ich erlebt habe, zu verarbeiten? 
Wird mir in einem anderen Land eine Chance gegeben oder geht der Kampf ums Überleben weiter?
 
Die Vorstellung, dass bei uns, egal ob in Deutschland, Belgien oder Österreich, eines Tages (wieder) Krieg ausbrechen könnte, von dem wir, unsere Kinder oder auch erst unsere Enkel betroffen sind, macht mir eine Heidenangst. 
An was werden andere Länder und Menschen sich dann erinnern? 
Werden sie sich daran erinnern, dass wir ihnen in einer ähnlichen Situation geholfen haben und sich ein Beispiel daran nehmen und uns mit offenen Armen, und noch viel wichtiger, mit offenen Herzen empfangen? Oder bleiben eher die aktuellen Ereignisse in den Köpfen hängen: 
Brandanschläge auf Flüchtlingsheime, Menschen die auf Kinder mit Migrationshintergrund urinieren, Proteste vor Asylbewerberheimen, Männer die mit Schlagstöcken auf Flüchtlinge losgehen oder Menschen die auf der Flucht ertrinken oder ersticken, um nur ein paar Beispiele zu nennen. 
Diese Menschen sind Menschen wie du und ich, die sich nicht ausgesucht haben, in welchem Land sie geboren werden oder wie die politische Lage in ihrem Land aussieht. Menschen, die alles hinter sich lassen, ihre Wohnung, ihren Job, ihr Hab und Gut und in den meisten Fällen auch Familienmitglieder. 
Sie nehmen die gefährliche und möglicherweise tödlich endende Flucht in Kauf, denn die Gefahr in ihrem Land ist noch viel größer.
 
Zum Glück gibt es neben diesen schrecklichen Nachrichten auch immer mehr Berichte über Menschen, die die Notlage der Flüchtlinge erkannt haben und ihnen helfen. Sei es mit Geld- oder Sachspenden, mit der Hilfe beim Übersetzen der verschiedenen Sprachen oder mit Deutschunterricht, mit Freizeitangeboten für Kinder oder Hilfe bei Behördengängen. Egal wie klein sich eine Hilfe für uns anfühlen mag, für die Menschen, die momentan Zuflucht bei uns suchen, kann diese Hilfe alles bedeuten.
 
#bloggerfuerfluechtlinge ist eine Initiative von 4 Bloggern (Nico Lumma, Stevan Paul, Karla Paul und Paul Huizing) die dazu aufrufen, die Augen vor der aktuellen Lage nicht zu verschließen sondern die Augen aller zu öffnen und gemeinsam die Flüchtlingshilfe zu unterstützen. Auf betterplace.org haben sie einen Spendenaufruf gestartet, an dem sich jeder beteiligen kann. Auf der Seite könnt ihr sehen, welche Projekte mit den Spenden unterstützt werden und wo wieviel Geld hinfließt. Jede noch so kleine Spende bringt uns ein Stück weiter. Und wenn ihr keine Möglichkeit habt zu spenden, dann teilt diesen Text und macht auf die Initiative aufmerksam. Und begegnet einander (und nicht nur den Menschen die ihr kennt) mit einem Lächeln, denn auch schon eine so einfache Geste, kann die Gefühlslage eines einzelnen Menschen grundlegend ändern.

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